Krieg im Netz

Es war vermutlich der Stuxnet-Wurm, der wesentlich dazu beitrug, dass der Iran in der Entwicklung seines Atomprogramms gebremst wurde. Nun werden Vermutungen laut, dass der Wurm nicht das Werk eine zynischen Hackers, der den Mächtigen mal zeigen wollte, was ein Wurm ist, war, sondern ganz gezielt mit multinationaler Unterstützung in Auftrag gegeben wurde. Eine neue Ära der Kriegsführung scheint angebrochen.

Trojanische Pferde und andere Methoden

Der Trojaner, ein schädliches Programm, das sich als nützliches oder harmloses tarnt, hat seinen Namen von einer Kriegstaktik der alten Griechen, die das sagenumwobene Troja auf diese Weise einnahmen. Nach erfolgloser Belagerung bauten sie ein riesiges Holzpferd, das sie vor den Toren der Stadt zurückließen und mit ihren Truppen zum Schein abzogen. Die Trojaner rollten das Holzgetier in das Innere der Stadtmauern, ohne zu ahnen, dass es randvoll mit griechischen Kriegern war, die in der Nacht herauskletterten und die Stadt einnahmen. Seitdem steht das trojanische Pferd als leuchtendes Beispiel für einen gelungenen Hinterhalt. Da heutzutage immer mehr wichtige Technologien von Computern abhängig und auch an das weltweite Netz angeschlossen sind, zeigt sich für modernen Strategen hier die Gelegenheit, einen ganz neuen Kriegsschauplatz zu eröffnen. Mit Viren, Würmern und Trojanern höhlen sie feindliche Systeme von innen aus und legen so die Kriegsmaschinerie lahm, schon bevor sie in Gang kommen kann.

Keine klaren Fronten

Der Urheber von Stuxnet wird von der New York Times in Israel vermutet. Vielleicht wurde der Auftrag von den USA erteilt, vielleicht auch nicht. Wer für wen arbeitet und welche Ziele dabei verfolgt werden, kann angesichts der weltweiten Vernetzung nicht mehr so klar eingegrenzt werden, wie zu Zeiten in denen geographische Grenzen, Aufenthaltsort und die Nationalität der Kämpfer darüber Auskunft geben konnten. Auch ein plötzlicher Seitenwechsel und das Verfolgen ideologischer statt nationaler und strategischer Ziele ist eine neue Gefahr, der selbst erfahrene aber konventionelle Kriegstaktiker nichts entgegenzusetzen haben. Als ultimative Gefahr sehen Experten außerdem die Verselbstständigung schädlicher Programme im Netz. Auch der Schöpfer eines Virus kann ihn, einmal auf die Cyberwelt losgelassen, nicht mehr so leicht stoppen.

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